HADAMAR. Am Ende ist es der geplante Neubau des Feuerwehrhauses am Hadamarer Stock, der das Parlament spaltet und der dazu führt, dass die Fraktionen von FWG und der Wählerinitiative „Wir für Hadamar (WfH)“ dem Haushalt der Stadt nicht zustimmen, während die Vertreter von CDU, SPD und Bündnis 90/Die Grünen für das Zahlenwerk votieren ...

Wegen des 30-Millionen-Projekts am Hadamarer Stock verweigern WfH und FWG ihre Zustimmung zum Haushalt

Von Anken Bohnhorst

Um mangelnde Wertschätzung der Einsatzkräfte geht es dabei nicht. Die stellt niemand in Frage. Die Sinnhaftigkeit des 30-Millionen-Projekts in der aktuellen Fassung indes schon.

Die WfH unterstütze durchaus den Plan für ein neues Feuerwehrgerätehaus, betont WfH-Fraktionsvorsitzender Hans Reichwein. Nur müsse dieses Haus dann auch von den Einsatzkräften aus allen Stadtteilen bezogen werden. Allein Niederhadamar ist zu weit vom Hadamarer Stock entfernt, um von dort aus die gesetzlich vorgeschriebene Hilfsfrist einhalten zu können; für Niederhadamar gelte somit eine Ausnahme, so Reichwein. Für die übrigen Wehren nicht. Die sollen spätestens fünf Jahre nach Baubeginn in die neue Feuerwache umziehen, fordert die WfH. Die bestehenden Häuser können als Feuerwehrvereinsheime weitergeführt werden. An dieser festgelegten Umzugsfrist hält die Wählerinitiative in der Parlamentssitzung fest und stellt klar, sollte sich dafür keine Mehrheit im Parlament finden, werde die Gruppe dem Haushalt nicht zustimmen.

WfH besteht auf Umzugsfrist

So geschieht es: Eine Frist zum verpflichtenden Umzug an den Hadamarer Stock können sich die anderen Parlamentsfraktionen nicht vorstellen. Die Einsatzkräfte leisteten ehrenamtliche Arbeit und dürften nicht gezwungen werden, lässt sich deren Meinung zusammenfassen. Die WfH nimmt dieses Votum zur Kenntnis und lehnt den Haushalt der Stadt ab.

Die FWG hat ebenfalls Einwendungen gegen das Millionen-Vorhaben am Hadamarer Stock. Sie hält zwar daran fest, dass die Einsatzkräfte freiwillig in die neue Unterkunft umziehen. Dennoch frage man sich, ob „das Projekt über die Köpfe der Betroffenen geplant“ worden sei, sagt Janine Langel, Vorsitzende der FWG-Fraktion. Das Vorhaben basiere auf der millionenschweren Hoffnung, die Vision einer zentralen Feuerwache werde sich realisieren lassen. Da gehe die FWG nicht mit, „Großprojekte im Eiltempo voranzutreiben“ sei nicht ihre Sache. Die FWG beantrage stattdessen, einen anderen geeigneten und zentral gelegenen Standort zu suchen, die Baukosten auf 18 Millionen Euro zu senken und 5 Millionen Euro für die Erschließung bereitzustellen. Der Antrag scheitert ebenso wie alle weiteren FWG-Anträge. Die Fraktion stimmt daraufhin gegen den vorliegenden Haushalt.

Mammutwerk mit knapp 60 Anträgen

Der ist tatsächlich ein Mammutwerk, das die Verwaltung vorbereitet und das die Fraktionen mit knapp 60 Anträgen bereichert hatten. Allein das sei „ein Zeichen dafür, wie ernsthaft und detailliert sich alle Beteiligten mit den Belangen unserer Stadt auseinandergesetzt haben“, fasst Andrea Amman (CDU), Vorsitzende des Haupt- und Finanzausschusses (HFA) zusammen. „Das Ergebnis ist ein gut geschnürter Haushalt, der die Zukunftsfähigkeit, Sicherheit und Attraktivität unserer Stadt stärkt.“ Dass der Neubau der Feuerwache am Hadamarer Stock dabei „besonders hervorzuheben“ sei, bestätigt auch Andrea Amman.

In der Tat steht seit Jahren fest, dass die Stadt ein neues Feuerwehrhaus benötigt. Das vorhandene Haus in der Kernstadt genügt den Anforderungen nicht mehr. Die Stadtteilwehren wurden in die Überlegungen und Pläne eingebunden und sollten so behutsam an die Idee herangeführt werden, an einen zentralen Standort umzuziehen. Die neue Einrichtung solle bei den Einsatzkräften so viel Begeisterung entfachen, dass sie ihre Stadtteil-Feuerwehrhäuser verlassen würden, formulierte Bürgermeister Michael Ruoff (CDU) in der Vergangenheit immer wieder. Doch es kam anders.

Lediglich die Feuerwehr aus Niederzeuzheim schloss sich den Kollegen aus der Kernstadt an und erklärte, man sei umzugsbereit. Die Freiwillige Feuerwehr aus Steinbach teilte dagegen mit, auf keinen Fall ihren Standort verlassen zu wollen. Vielmehr erhielt sie die Zusage für ein eigenes neues Feuerwehrhaus. Die anderen Wehren halten sich bedeckt. Von Begeisterungsstürmen für die neue Feuerwache ist bislang nichts zu spüren.

logo wtHinweis: Verwendung der Artikel mit freundlicher Genehmigung von mittelhessen.de.

 

 

 


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