HADAMAR. Rund 30 Millionen Euro soll das neue Feuerwehrhaus am Hadamarer Stock kosten. Der Neubau sei erforderlich, weil die bestehende Wache in der Kernstadt nicht mehr den Sicherheitsanforderungen entspricht, sagt Bürgermeister Michael Ruoff (CDU) ...
Rund 30 Millionen Euro soll das neue Feuerwehrhaus kosten / Nicht alle Stadtteil-Feuerwehren sind begeistert
Von Anken Bohnhorst
Außerdem eröffne der geplante Gebäudekomplex allen Stadtteilwehren die Möglichkeit, sich hier ebenfalls anzusiedeln. Nur haben vier Stadtteil-Feuerwehren bereits signalisiert, dass sie nicht umziehen wollen. Ist das Projekt also städtebaulicher Gigantismus oder sicherheitsrelevante Notwendigkeit?
Fest steht: Sicherheit ist nicht verhandelbar – auch nicht die der Einsatzkräfte. So ergab eine Untersuchung des Technischen Prüfdiensts Hessen vor knapp zehn Jahren, „dass die Feuerwehrhäuser in Hadamar, Niederzeuzheim und Steinbach nicht mehr den technischen Richtlinien für Feuerwehrhäuser und Unfallverhütungsvorschriften entsprechen. Gründe waren insbesondere fehlende Parkplätze für Einsatzkräfte, nicht mehr DIN-gerechte Stellplätze für Feuerwehrfahrzeuge, fehlende Lagerflächen für Ausrüstungsgegenstände, unzureichende Umkleideräume und nicht vorhandene Sanitärräume“, sagt Bürgermeister Ruoff. Klar war auch, dass diese Anforderungen in den bestehenden Häusern nicht erfüllt werden könnten. Deshalb habe man schon im Jahr 2019 begonnen, Pläne für eine gemeinsame „Feuerwache Hadamar Mitte“ zu schmieden.
Ein Kreisel für den Standort am Hadamarer Stock
Als Standort habe sich eine Fläche am Hadamarer Stock, im Kreuzungsbereich der Landesstraßen 3462 und die 3278 angeboten, sagt Ruoff. Die schnelle und reibungslose Abfahrt aus der geplanten Feuerwache soll ein Kreisel beschleunigen, der ebenfalls gebaut werden muss. Vom Hadamarer Stock „sind Einsatzfahrten in unsere Kernstadt und in unsere Stadtteile ohne große Schwierigkeiten hinsichtlich der Topografie möglich. Das Industriegebiet Nord und das Gewerbegebiet Sechsmorgen in Oberweyer sind sogar ohne Ortsdurchfahrten erreichbar.“ Nur Niederhadamar nicht. Hierher können Einsatzfahrzeuge nicht in der gesetzlich vorgeschriebenen Rettungsfrist gelangen, erklärt Stadtbrandinspektor Matthias Ammann. Deshalb wurde die Feuerwehr Niederhadamar von dem Vorhaben ausgenommen.
Ausdrücklich von einem Umzug ausgenommen bleiben will auch die Feuerwehr Steinbach. Die Einsatzkräfte bestehen auf ihren Standort in der Dorfmitte und haben erwirkt, dass im Feuerwehr-Bedarfs- und Entwicklungsplan die Zusage für einen Neubau für Steinbach festgeschrieben wurde. Der Bedarfsplan wurde 2023 beschlossen und gilt für zehn Jahre. Nach Einschätzung des ehemaligen Stadtbrandinspektors Jürgen Horn könnten sich die Kosten für ein neues Feuerwehrhaus in Steinbach auf fünf bis sechs Millionen Euro belaufen. Es könnte aber auch anders kommen, räumt Bürgermeister Ruoff ein und zitiert einen Parlamentsbeschluss aus dem vergangenen November. Danach wird „der Feuerwehr Bedarfs- und Entwicklungsplan aus dem Jahr 2023 vor eventuell anstehenden, weiteren Investitionen in Gebäude und Fahrzeuge auf seine jetzigen Inhalte geprüft und auf die zukünftige Ausrichtung der Stützpunkt Feuerwehr angepasst“.
Ein zusätzliches Grundstück wird benötigt
In der Zukunft könnten mithin andere Entscheidungen getroffen werden, so Ruoff. Das aber hätten die politischen Gremien zu beschließen und nicht er. Für ihn gelte noch immer: „Wir wollen niemanden zum Umzug zwingen.“ Die neue Feuerwache soll so viel Überzeugungskraft entfalten, dass die Einsatzkräfte aus eigenem Antrieb zum Hadamarer Stock kommen wollen.
Bleibt noch der gewaltige Kostenberg, den die Stadt bewältigen muss. Nach jetzigem Stand sind dies nach Abzug von Landesfördermitteln von rund 500.000 Euro noch 30,4 Millionen, zuzüglich der Kosten für ein weiteres Feuerwehrhaus in Steinbach. Dazu sagt der Bürgermeister: „Es gibt keine bessere Ausgabe als für Sicherheit. Wenn bei einem Brand auch nur ein Mensch gerettet wird, hat sich der Einsatz schon gelohnt.“ Die geplante Feuerwache sei „kein Prestigeobjekt“, betont auch der Architekt Dimitris Michalakelis. Vielmehr werde hier ein „Pflichtprogramm abgearbeitet“, nicht mehr: Elf Fahrzeugstellplätze, Sanitär- und Umkleidebereiche, Lagerflächen. Möglicherweise könnte es sogar noch einige Hunderttausend Euro günstiger werden, so Michalakelis. Dann nämlich, wenn das angrenzende Grundstück hinzugekauft wird und dadurch Stützmauern eingespart und die Topografie des Geländes besser genutzt werden könne. Wenn alles läuft wie vorgesehen, rechne er mit einem Spatenstich im Spätherbst dieses Jahres und eine Bauzeit von zweieinhalb Jahren, teilt der Architekt mit.
Eine Finanzierung muss dennoch her. Die soll „planbar, solide und klassisch sein, damit das Gebäude nach 28 Jahren Schuldendienst der Stadt Hadamar gehört und auch mögliche Sondertilgungsoptionen durch das in Aussicht gestellte Sondervermögen vom Bund künftig möglich sind,“ sagt Bürgermeister Ruoff. Mit sechs bis sieben Millionen Euro aus dem Sondervermögen des Bundes könne die Stadt rechnen, das vollständig in die Feuerwache Mitte fließen soll. Damit sei die Finanzierung im Haushalt realistisch. Außerdem sei das Sondervermögen ausdrücklich auch für Feuerwehreinrichtungen vorgesehen – und „der Stadt bleibt ein Verteilungskampf um dieses Geld erspart“.
Bild: Sie freuen sich auf die neue „Feuerwache Hadamar Mitte“: Bürgermeister Michael Ruoff (links) und Stadtbrandinspektor Matthias Ammann. Foto: Anken Bohnhorst
Hinweis: Verwendung der Artikel mit freundlicher Genehmigung von mittelhessen.de.