HADAMAR. Wie riskant ist ein Einsatz der Feuerwehrfrauen und -männer aus der Kernstadt, und ist der geplante Neubau der Feuerwache Mitte für Hadamar und Niederzeuzheim eine realistische und finanzierbare Lösung? ...
Der Stadtbrandinspektor appelliert an die Parlamentarier / Ein Projekt-Stopp würde Millionen kosten
Von Anken Bohnhorst
Die Diskussionen darüber flammen weiterhin auf, sollen aber in der nächsten Parlamentssitzung am 19. Juni endgültig gelöscht werden. Bis dahin sollen die Fraktionen sämtliche Einschätzungen, Gutachten und Perspektiven sortiert haben und zu einer Entscheidung kommen. In die dürfte auch der emotionale Appell des Stadtbrandinspektors einfließen.
Der Zustand der Feuerwehrhäuser : Die Feuerwehrhäuser in Hadamar, Niederzeuzheim und Steinbach haben für ihren ursprünglichen Zweck ausgedient. Sie entsprechen nicht den geltenden Standards und Sicherheitsanforderungen. Für die Immobilie neben dem Rathaus der Stadt betätigte das jetzt Heike Duffner von der Unfallkasse Hessen bei einem Ortstermin. Die Hofeinfahrt der Einsatzkräfte mit ihren Privatautos sei unübersichtlich, der Parkplatz nicht immer ausreichend, die Männer und Frauen gelangten nur über Stufen in ihre Umkleideräume, der Zugang von den Umkleiden zu den Feuerwehrfahrzeugen sei so eng, dass die Retter vor die Halle laufen und dort aufsitzen müssten, und auch die Abfahrt vom Hof sei gefahrengeneigt. Einige Gefahren ließen sich einstweilen organisatorisch und technisch reduzieren, aber „jedes Provisorium macht eine neue Baustelle auf“, sagt Duffner.
Der Zustand der Planungen: Der Verwaltung und der Feuerwehr sind diese Einschränkungen seit Jahren bekannt, weshalb bereits im Jahr 2019 das Projekt „Feuerwehr 2030“ initiiert wurde. Eine zentrale Feuerwache für alle Stadtteilwehren sollte am Hadamarer Stock entstehen. Die Gesamtkosten betragen rund 32 Millionen Euro; zuzüglich Zinsbelastungen könnte dieser Betrag indes auf weit über 40 Millionen ansteigen, rechnete ein Finanzfachmann gegenüber dieser Zeitung vor.
Berücksichtigen müssen die Kommunalpolitiker bei ihren Überlegungen auch, dass sich die Wehren aus Oberzeuzheim, Oberweyer und Steinbach gegen einen Umzug an den Hadamarer Stock entschieden haben. Für die Einsatzkräfte aus Niederhadamar kommt eine Verlegung nicht in Betracht, weil sie die Hilfsfrist nicht einhalten können. Bleibt eine Feuerwache für Hadamar und Niederzeuzheim im Wert von derzeit 32 Millionen Euro. Für rund 1,5 Millionen Euro wurden inzwischen Aufträge erteilt, 410.000 Euro sind schon ausgegeben worden. Das berichtet das zuständige Planungsbüro. Sollten die Stadtverordneten das Projekt jetzt stoppen, würden dennoch 1,5 Millionen Euro sofort fällig. Sollte das Projekt ausgesetzt und beispielsweise in zwei Jahren wieder aufgenommen werden, belaufe sich diese Summe auf drei Millionen Euro. Auch die mit 550.000 Euro veranschlagte Förderung könnte der Stadt dann verloren gehen.
Der Zustand der Einsatzkräfte: Das Verständnis für die Bedenken der Politiker und die Motivation der Einsatzkräfte sei gesunken, sagt Matthias Ammann, Stadtbrandinspektor und zugleich Wehrführer in Hadamar. Aus seiner Sicht ist das Bauvorhaben für Hadamar und Niederzeuzheim „genau richtig“. Die fortlaufenden Diskussionen führten dazu, dass die Stimmung bei den Einsatzkräften „langsam kippt“. Wie lange hier noch dagegengehalten werden könne, sei fraglich. Und an die Stadtverordneten gerichtet sagt Matthias Ammann: „Ich appelliere an euch alle, dass wir das Feuerwehrhaus bekommen.“
Die nächste Stadtverordnetenversammlung ist am Freitag, 19. Juni, ab 19 Uhr in der Mehrzweckhalle in Niederzeuzheim. Die Sitzung ist öffentlich.
Respekt hat nichts mit Quadratmetern zu tun
Niemand steht auf dem Schlauch, wenn es um den Zustand der Feuerwehrhäuser in Hadamar, Niederzeuzheim und Steinbach geht. Die bestehenden Immobilien bergen Risiken. Das wissen die Einsatzkräfte und die Verwaltung ebenso wie die Kommunalpolitiker, und auch den Bürgern der Stadt ist das klar.
Trotzdem darf gefragt werden: Ist das geplante, 32 Millionen Euro teure Projekt, in das nur zwei Wehren einziehen wollen, angemessen oder überdimensioniert? Geht es vielleicht auch eine Nummer kleiner, wenigstens in Teilbereichen? Und wie werden die Folgekosten gestemmt? Das gesamte Sondervermögen des Bundes soll in die Finanzierung des Vorhabens einfließen. Und dann? Was wird aus anderen Aufgaben der Stadt, die sich in den kommenden Jahrzehnten stellen? Aus Straßenbau- und -sanierungsprojekten etwa oder aus Möglichkeiten, die Familienfreundlichkeit der Stadt hervorzuheben? Wie viele Drehungen an Steuern- und Gebührenschrauben werden erforderlich und in welchem Tempo?
Ja, die Feuerwehren sind lebenswichtig. Ihren Einsatzkräften gebührt größter Respekt. Nur ob Respekt sich durch die Quadratmetergröße geplanter Schulungsräume ausdrücken lässt oder mit der Aussicht auf erweiterungsfähige Fahrzeugboxen, ist fraglich. Würde eine neue Feuerwache tatsächlich jene Anziehungskraft ausüben, von der in den Gremien gesprochen wird, warum wollen dann nur zwei Wehren in den Neubau umziehen?
Bild: Das Feuerwehrhaus in Hadamar hat ausgedient. Stadtbrandinspektor und Wehrführer Matthias Ammann schildert die Risiken und Gefahren. Fotos: Anken Bohnhorst
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