LIMBURG-WEILBURG. Knapp 50 Waldbrände mit einer Schadfläche von rund 380.000 Quadratmetern das Hessische Ministerium für Landwirtschaft und Umwelt zwischen dem 3. August, als die Waldbrandstufe A ausgerufen worden ist, und dem 18. August, als diese wieder aufgehoben worden ist, im Bundesland registriert ...

So bereitet sich das Forstamt Weilburg auf Waldbrände vor und geht mit dem voranschreitenden Klimawandel um

Seit Jahresbeginn gab es landesweit mindestens 160 Brände, die etwa 560.000 Quadratmeter – rund 78 Fußballfelder – zerstörten. Nun, da es wieder geregnet hat, ist die Gefahrenstufe A, die für hohe Gefahr steht und die Vorstufe zur Alarmstufe B, die für sehr hohe Gefahr steht, aufgehoben. Aktuell besteht keine akute Gefahr, doch eine wiederkehrende längere Trockenheit könnte ein erneutes Ausrufen der Stufe A nötig machen. Und dann sind auch Szenen wie zuletzt in der Eifel und im Hohen Venn, dessen Brandgeruch teils bis in den Kreis Limburg-Weilburg zu riechen war, auch in Hessen nicht ausgeschlossen. Der Landesbetrieb Hessen-Forst, der 80 Prozent der hessischen Wälder betreut, ergreift in besonders gefährdeten Gebieten gezielte Maßnahmen. Das Forstamt Weilburg ist neben dem Forstamt Weilmünster für einen großen Teil der Wälder im Kreis Limburg-Weilburg zuständig. Max Richter, Bereichsleiter „Produktion“ und stellvertretender Leiter des Forstamtes Weilburg, erklärt, wie dort mit der Situation umgegangen wird.

Herr Richter, welche Maßnahmen hat das Forstamt Weilburg nach Ausrufung der Waldbrandstufe A am 3. August getroffen?

Mit Ausrufung der Alarmstufe A erhöhen wir zunächst unsere Einsatzbereitschaft. Dazu gehört, dass wir die Erreichbarkeit des Personals sowie die Funktionsfähigkeit der vorhandenen Geräte und Fahrzeuge überprüfen. Ebenso wichtig sind die Zufahrtsmöglichkeiten in die Waldgebiete, die Löschwasserentnahmestellen und die Kommunikationswege. Gleichzeitig stehen wir in engem Kontakt mit den örtlichen Brandschutzdienststellen und sensibilisieren unsere Beschäftigten für die erhöhte Gefahrenlage. Für einen möglichen Einsatz verfügen wir über Waldbrandeinsatzkarten. Darin sind unter anderem das befahrbare Wegenetz, Wasserentnahmestellen und Rettungspunkte verzeichnet. Im Brandfall können wir ortskundiges Personal als Lotsen und forstliche Fachkräfte zur Unterstützung der Einsatzleitung bereitstellen.

Welche Regeln gelten für Waldbesucher bei der höchsten Waldbrandstufe?

Die beiden Alarmstufen in Hessen regeln die Vorsorge- und Schutzmaßnahmen bei steigender Waldbrandgefahr. Während Alarmstufe A bei hoher Gefahr erste Einschränkungen und eine verstärkte Überwachung einleitet, greift Alarmstufe B bei sehr hoher Gefahr mit strikten Verboten und Schließungen durch. Das Hessische Waldgesetz erlaubt bei Stufe B sogar die Sperrung gefährdeter Waldflächen und Wege. Grundsätzlich gilt immer: Rauchen und offenes Feuer sind im Wald verboten. Fahrzeuge dürfen nur auf ausgewiesenen Flächen parken. Rauch oder Feuer sollten sofort gemeldet werden – idealerweise mit Angabe des nächsten grünen Rettungspunkt-Schildes.

Finden Übungen mit der Feuerwehr zur Waldbrandbekämpfung statt?

Ja. Die Zusammenarbeit mit den Feuerwehren ist ein wichtiger Bestandteil unseres Waldbrandmanagements. Bei Übungen werden insbesondere die Orientierung und Anfahrt im Wald, die Nutzung der Waldbrandeinsatzkarten und Rettungspunkte, die Löschwasserversorgung sowie das Zusammenspiel zwischen Feuerwehr und den forstlichen Fachkräften geübt.

Gibt es spezielle Kommunikationswege mit der Feuerwehr?

Ja. Bei Waldbrandstufe A wird eine Rufbereitschaft rund um die Uhr sichergestellt. Die Kontaktdaten liegen den örtlichen Brandschutzdienststellen vor. Im Einsatzfall stellt Hessen-Forst der Feuerwehr eine forstliche Fachkraft zur Seite. Diese bringt ihre Ortskenntnis sowie das erforderliche Kartenmaterial ein und unterstützt die Einsatzleitung bei der Auswahl geeigneter Zufahrten, Bereitstellungsräume, Wendepunkte und Versorgungsrouten.

Liegen im Betreuungsbereich des Forstamtes Flächen, die einer besonderen Gefährdung unterliegen? Wenn ja: Welche präventiven Maßnahmen hat das Forstamt getroffen?

Auch in unserem Betreuungsbereich gibt es Waldflächen, bei denen wir aufgrund ihrer Struktur oder Lage im Brandfall besonders genau hinschauen müssen. Eine erhöhte Brandausbreitungsgefahr besteht beispielsweise in Nadelholzbeständen, auf Flächen mit hohen Anteilen an trockenem Feinmaterial und Totholz, in mehrschichtigen Beständen mit leicht entzündlicher Unterschicht sowie in Hanglagen oder schlecht erschlossenen Bereichen. Die Revierleitungen wurden für diese besonderen Gefährdungslagen sensibilisiert. Waldbaulich verfolgen wir langfristig den Aufbau standortgerechter, struktur- und artenreicher Mischwälder.

Wie haben sich die Anteile von Laub- und Nadelholz in den vergangenen zehn Jahren entwickelt?

Seit 2018 haben lang anhaltende Dürren und Hitzewellen sowie ein massiver Borkenkäferbefall zu einem großflächigen Wegfall der Fichte geführt. Dieser drastische Rückgang hat die Zusammensetzung der vom Forstamt Weilburg betreuten Wälder in den vergangenen zehn Jahren nachhaltig verändert und das Verhältnis von Laub- und Nadelholz deutlich zugunsten des Laubholzes verschoben.

Wie groß ist die Fläche der in den vergangenen fünf Jahren gepflanzten Neukulturen?

Im Forstamt Weilburg wurden circa 200 Hektar Neukulturen begründet.

Wurden neue Baumarten gepflanzt? Wenn ja, welche und warum?

In den vom Forstamt Weilburg betreuten Wäldern wurden bis auf wenige Ausnahmen bisher überwiegend Eiche, Douglasie sowie Edellaubbäume wie Ahorn und Kirsche gepflanzt. Aufgrund der zu erwartenden Klimaveränderungen besteht seit 2025 die Möglichkeit, das Baumartenspektrum in begrenztem Umfang zu erweitern. Hierzu zählen mediterrane Eichenarten wie die Flaumeiche und die Zerreiche, klimaresistente Laubbaumarten wie Hickory, Baumhasel und Esskastanie sowie exotische Nadelbaumarten wie Zedern, verschiedene Tannenarten und der Riesenlebensbaum.

Gibt es Maßnahmen zur Erhöhung der Wasserspeicherkapazität in den Wäldern?

Ja. Ein wichtiger Ansatz besteht darin, Niederschlagswasser möglichst lange im Wald und in der Fläche zu halten, statt es möglichst schnell abzuleiten. Dazu kann beispielsweise Wasser aus Entwässerungsgräben an Waldwegen wieder in angrenzende Waldbereiche geleitet werden. Damit wollen wir die Wasserversorgung der Waldböden verbessern und gleichzeitig die Auswirkungen längerer Trockenperioden abmildern.

Was raten Sie den Waldbesuchern für einen sicheren Aufenthalt im Wald?

Der Klimawandel führt nicht nur zu einer erhöhten Waldbrandgefahr, sondern auch zu vermehrten Stürmen und dem teilweise großflächigen Absterben von Bäumen. Für Waldbesucher steigt dadurch das Unfallrisiko. Im Wald gehören herabfallende Äste oder umstürzende Bäume zu den waldtypischen Gefahren. Durch Trockenheit und Extremwetter hat sich diese Bedrohung jedoch verschärft. Insbesondere bei durch Trockenstress geschädigten Buchen kann es selbst bei ruhigem Wetter unvorhersehbar zu Abbrüchen von Ästen oder Kronenteilen kommen. Auch unmittelbar nach Sturmereignissen besteht eine erhöhte Gefahr durch instabile Bäume oder lose hängendes Holz. Hessen-Forst und das Forstamt Weilburg raten daher zu erhöhter Vorsicht und bitten darum, die Wetterlage vor jedem Waldbesuch aufmerksam zu verfolgen. Bei Sturm, starkem Wind oder Gewitter sollte auf einen Aufenthalt im Wald verzichtet werden. Auch bei gutem Wetter empfiehlt sich gelegentlich ein Blick in die Baumkronen. Pausen sollten keinesfalls unter erkennbar abgestorbenen Bäumen oder trockenen Ästen eingelegt werden. Zudem wird ausdrücklich darauf hingewiesen, dass bestehende Wegesperrungen – beispielsweise bei laufenden Holzerntemaßnahmen – zum eigenen Schutz unbedingt einzuhalten sind.

Die Fragen stellte Volker Gerding

Früher ein reiner Fichtenbestand, heute ein entstehender Mischwald aus Traubeneiche, Lärche, Douglasie und Spitzahorn. Max Richter präsentiert eine Eiche, die 2020 gepflanzt wurde. Foto: Volker GerdingBild: Früher ein reiner Fichtenbestand, heute ein entstehender Mischwald aus Traubeneiche, Lärche, Douglasie und Spitzahorn. Max Richter präsentiert eine Eiche, die 2020 gepflanzt wurde. Foto: Volker Gerding

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