RUNKEL. Was passiert bei einem Blackout? Sind Warnsysteme, Feuerwehrhäuser, die Verwaltung und wichtige Versorgungseinrichtungen in allen neun Stadtteilen von Runkel ausreichend auf längere Stromausfälle vorbereitet? ...
Ein flächendeckender und lange anhaltender Stromausfall könnte im Stadtgebiet zu großen Problemen führen
Von Tobias Ketter
Diese Fragen sind für den Stadtverordneten Eberhard Bremser (SPD) von elementarer Bedeutung. „Für mich ist klar, dass Krisenvorsorge eine entscheidende und gemeinsame Aufgabe ist. Die Bürger sollen wissen, wie sie gewarnt werden, wo sie im Ernstfall verlässliche Informationen erhalten und welche Anlaufstellen zur Verfügung stehen“, betont der Sozialdemokrat.
Besonders wichtig sei dabei die Unterstützung für ältere, pflegebedürftige und alleinlebende Menschen, sagt Bremser, der nun eine Anfrage bei der Stadt zur Krisenvorsorge gestellt hat. Bürgermeisterin Antje Hachmann (parteilos) und Jörg Martin (SPD), Mitglied des Magistrats und zuständig für den Geschäftsbereich Brand- und Katastrophenschutz, berichten daraufhin, wie krisenfest Runkel wirklich ist. Diese Redaktion fasst die wichtigsten Erkenntnisse aus ihren Ausführungen zusammen.
„Es wird seit einiger Zeit an der Ausarbeitung eines Einsatzplanes Stromausfall für die Feuerwehren gearbeitet“, sagt die Rathauschefin. In diesem Plan gehe es hauptsächlich darum, die Einsatzfähigkeit der Wehren aufrechtzuerhalten, aber auch den Bürgern eine Anlaufstelle für das Absetzen von Notrufen und Hilfeersuchen zu bieten. „Als sogenannter Leuchtturm soll dafür das im jeweils betroffenen Stadtteil befindliche Feuerwehrhaus fungieren. In den Stadtteilen, in denen es zusammengelegte Wehren gibt, ist dies aber nicht flächendeckend möglich und wird anders geplant“, so Hachmann weiter.
Mobile Warnsirene soll im Ernstfall zum Einsatz kommen
Mehr als eine Anlaufstelle für das Absetzen von Notrufen und Hilfeersuchen können die Feuerwehren ihren Angaben zufolge zum jetzigen Zeitpunkt nicht bieten. „Sollte es zu einem länger andauernden Stromausfall kommen, sind wir zudem nur in der Lage, drei von sieben Feuerwehrhäusern mit Notstrom zu versorgen. Außerdem haben wir aktuell keine Möglichkeit, im Ernstfall öffentliche Gebäude wie Bürgerhäuser mit Strom und Wärme zu versorgen“, berichtet die Bürgermeisterin.
Doch es gibt auch gute Nachrichten: Die Stadt Runkel hat sich laut Hachmann an einer Sammelbeschaffung des Landkreises Limburg-Weilburg beteiligt und so eine mobile Warnsirene besorgt. Diese könne in kurzer Zeit auf jedes beliebige Auto montiert werden. „Über die Anlage wird die Bevölkerung dann informiert“, teilt die Verwaltungschefin mit. „Außerdem verfügen einige unserer Einsatzfahrzeuge über die Möglichkeit, Lautsprecherdurchsagen zu tätigen. Und bereits Anfang dieses Jahres wurden alle zehn stationären Sirenen im Stadtgebiet von analoger auf digitale Alarmierung umgestellt“, so die Lokalpolitikerin weiter. Durch diese nun vorhandene IT-Infrastruktur sei die Stadt in der Lage, die Sirenen eigenständig auszulösen.
Keine Lagermöglichkeiten für Feldbetten und Vorräte
„Ein Gutachten zur Beurteilung einer flächendeckenden Warnung der Bevölkerung ergab allerdings, dass in den Stadtteilen Dehrn, Steeden und Schadeck drei weitere Sirenenstandorte benötigt werden, um eine gesamte Flächenabdeckung zu erreichen“, berichtet Hachmann. Für den Ausbau dieser zusätzlichen Standorte seien im Haushalt 2026 Mittel in Höhe von 45.000 Euro eingeplant worden.
„Die Stadt Runkel verfügt über einen Verwaltungsstab, der 2025 zum ersten Mal einberufen wurde und bereits an einer länderübergreifenden Großübung teilgenommen hat“, ergänzt Jörg Martin. Hierbei sei festgestellt worden, dass dem Verwaltungsstab derzeit noch technische Mittel fehlen, um im Krisenfall die Kommunikation mit übergeordneten Behörden sicherstellen zu können. Des Weiteren gebe es momentan auch noch keine Lagermöglichkeiten für Feldbetten, Vorräte sowie Aggregate.
„Aktuell führen wir aber Gespräche mit den örtlichen Energieversorgern, um unsere Konzepte bei einer länger anhaltenden Krise in Einklang zu bringen“, sagt der Sozialdemokrat. Dabei gehe es primär um das Aufrechterhalten der Infrastruktur. Die Burgenstadt stehe darüber hinaus im Austausch mit dem hessischen Innenministerium und man suche mit Hochdruck nach geeigneten Förderprogrammen, um so mehr Geld in die Krisenvorsorge stecken zu können. Außerdem seien erste Gespräche mit einer Bürgergruppe und der Feuerwehr Ennerich zwecks einer sinnvollen Unterstützung der Einsatzkräfte geführt worden.
Bild: Das Feuerwehrhaus in Runkel könnte im Falle eines Blackouts als Anlaufstelle für die Bürger genutzt werden. Foto: Tobias Ketter
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