RUNKEL. Am Morgen nach dem Unglück erinnert noch rot-weißes Flatterband an den dramatischen Einsatz, der sich am Donnerstagabend an der kleinen Firma in Runkel abgespielt hat ...

Angestellte einer Lederfabrik im hessischen Runkel sterben – mutmaßlich an einer Kohlenmonoxidvergiftung.Die kleine Firma hat damit fast die Hälfte ihrer Mitarbeiter verloren.

Von Christine Schultze

Das Wohnhaus auf dem Gelände der Lederfabrik und Pelzgerberei wirkt verlassen, Rollläden sind halb heruntergelassen, leere Autos stehen auf dem Hof. In einer Grube haben hier am Vortag drei Mitarbeiter des Familienbetriebs den Tod gefunden – und um das Leben von zwei weiteren Menschen kämpfen die Ärzte noch in Krankenhäusern.

Die Behörden vermuten, dass die drei Arbeiter in einer Grube auf dem Gelände der Gerberei an einer Kohlenmonoxidvergiftung gestorben sein könnten. Wie genau es dazu kam, dazu ermitteln Polizei und Staatsanwaltschaft. Rettungskräfte hatten die fünf Arbeiter bei einem Großeinsatz am Vortag aus der Grube holen müssen. Bei drei von ihnen im Alter von 38, 58 und 59 Jahren schlugen Reanimationsversuche fehl, wie Kreisbrandmeister René Schultheis vom Landkreis Limburg-Weilburg berichtet. Die beiden anderen Männer habe man retten und ins Krankenhaus bringen können. Von dem Einsatz, an dem sich rund 150 Rettungskräfte, Seelsorger und Polizisten beteiligt hatten, zeugen am Morgen noch Müllsäcke mit Überresten vom Vorabend – gebrauchte Einweghandschuhe, Schutzkleidung, Medikamentenschachteln haben die Helfer hier hinterlassen.

Der kleine Mittelständler, der schon seit 200 Jahren besteht, hat bei dem Arbeitsunfall nahezu die Hälfte seiner Belegschaft verloren – neben dem Inhaber hatte die Firma dem Vernehmen nach nur sechs Beschäftigte. „Wegen Trauerfall geschlossen“, heißt es am Freitag auf der Homepage des Betriebs. Eine Kundin, die am Vormittag dort Felle abholen will, macht betroffen kehrt. Erst fünf Minuten zuvor habe sie auf der Anfahrt die schlimmen Neuigkeiten im Radio gehört, erzählt die Frau.

Erschüttert zeigt sich auch die Bürgermeisterin von Runkel, Antje Hachmann. Bis zum frühen Morgen hat sie den Einsatz vor Ort begleitet und danach kaum geschlafen. Das Geschehene sei „schockierend“ und „menschlich unfassbar“, sagt sie. „Wir trauern alle sehr stark.“ Der Einsatz geht ihr emotional sichtlich nah – auch deshalb, weil sie selbst schon einmal von Feuerwehrleuten bei einem Brand gerettet werden musste.

Eine Frau fällt der Bürgermeisterin schluchzend in die Arme, die Trauer ist greifbar. Schon zuvor waren morgens Angehörige eingetroffen, die hier Menschen verloren haben. Ein Mann trauert um seinen Bruder, wie er sagt, und auch eine Frau ist gekommen, die nach Antworten zum Tod ihres Mannes sucht.

logo wtHinweis: Verwendung der Artikel mit freundlicher Genehmigung von mittelhessen.de.

 

 

 


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