Verwendung der Artikel der Nassauischen Neuen Presse mit freundlicher Genehmigung der Frankfurter Societäts-Druckerei. Limburg-Weilburg. Sind von einem Unglück oder Unfall mindestens 500 Menschen betroffen, kann der Landrat den Katastrophenfall ausrufen. Dass ein solcher Fall eintritt, wünscht sich natürlich niemand, trotzdem muss er perfekt vorbereitet sein. Ein kleines, aber wichtiges Rädchen in der Alarmierungskette im Falle einer Katastrophe ist das Kreisauskunftsbüro. Dort wurde am Samstag geprobt ...

Suchanfragen, Meldungen aus Krankenhäusern und von Einsatzkräften werden von den ehrenamtlichen Mitarbeitern erfasst - Foto: Heike LachnitBild: Suchanfragen, Meldungen aus Krankenhäusern und von Einsatzkräften werden von den ehrenamtlichen Mitarbeitern erfasst - Foto: Heike Lachnit

Kreisauskunftsbüro

Von HEIKE LACHNIT

Es ist ein schrecklicher Unfall, den sich Dagmar Kremer und Katrin Hotz als Übungsszenario für die 24 ehrenamtlichen Mitarbeiter des Kreisauskunftsbüros ausgedacht haben: Mitten im Berufsverkehr verunglückt ein Gefahrguttransporter auf der Limburger Autobahnbrücke. Es gibt Explosionen, ein Teil der Lkw-Ladung – mit giftigen Substanzen gefüllte Container – stürzt brennend von der Brücke. Eine Regionalbahn und ein Ausflugsdampfer werden getroffen. Der Landrat ruft den Katastrophenfall aus. Jede Menge Helfer werden jetzt alarmiert, unter anderem das Kreisauskunftsbüro.

Kreisauskunfts . . . – was? Diese Einheit steht unter der Leitung von Dagmar Kremer und ihrer Stellvertreterin Katrin Hotz. Die beiden sind es gewohnt, erklären zu müssen, was das Kreisauskunftsbüro des Deutschen Roten Kreuzes überhaupt macht. Denn nicht nur Laien wissen damit wenig anzufangen. „Oftmals wissen auch die anderen Rettungsdienste gar nicht, dass es uns gibt“, sagt Kremer.

Zentrale Bedeutung

Dabei ist ein funktionierendes Kreisauskunftsbüro (KAB) im Katastrophenfall von zentraler Bedeutung. Denn dort laufen die Fäden zusammen. Das KAB ist Anlaufstelle für Menschen, die ihre möglicherweise verunglückten Angehörigen suchen, für Arbeitgeber, die ihre Angestellten am Unfallort vermuten, aber auch für die Einsatzdienste, die eigene Leute suchen oder wissen wollen, wie die Belegung in den Krankenhäusern oder an den Sammelpunkten aussieht.

Alle diese Informationen werden im KAB gesammelt. „Wir sind die Einheit, die Auskunft geben kann, wer sich wo befindet“, fasst Hotz zusammen. Das Team in Limburg besteht aus sieben Personen. Bei der Übung am Samstag kamen insgesamt 24 Ehrenamtler aus den KABs Limburg-Weilburg, Bergstraße, Frankfurt, Hochtaunus und Lahn-Dill-Kreis zusammen.
Keine Auskunft für die „nervige Journalistin“

Ein halbes Jahr lang hat Dagmar Kremer diese Übung vorbereitet. „Es war eine große Herausforderung, eine sinnvolle Datei zusammenzustellen“, erläutert sie. Damit meint sie die 700 erfundenen Datensätze, mit denen die Teilnehmer während der Übung arbeiten. „Die müssen stimmig sein und zueinander passen.“ Und es müsse immer etwas zu tun sein, damit keine Langeweile aufkomme.

Doch wie läuft die Anfrage beim KAB im Katastrophenfall ab? Die Mitarbeiter nehmen Suchanfragen nach vermissten Menschen persönlich oder telefonisch entgegen. Am Samstag sitzt Thomas Volk vom DRK Offenbach am Telefon. „Das ist sehr anstrengend, Telefondienst ist nicht meine Stärke“, sagt er. Der direkte Kontakt zu besorgten und aufgewühlten Angehörigen, die um ihre Lieben bangen, gehe ihm nahe. Die Übung nutzt er, um sich seinen Schwächen zu stellen. Im Übrigen sind alle Einsatzkräfte geschult, um Menschen in Ausnahmesituationen zu betreuen.

Elektronisch und manuell

Sowohl die Suchanfragen sowie auch alle relevanten Informationen laufen bei einem anderen Mitarbeiter des KAB zusammen: Wichtige Hinweise geben zum Beispiel Meldekarten der Einsatzkräfte, Patientenlisten aus Krankenhäusern oder von Reiseveranstaltern. Alle Informationen werden vorsortiert und gezählt und sowohl manuell als auch per Computer erfasst. „Wir können nicht in jedem Fall davon ausgehen, dass wir Strom oder einen Internetanschluss haben“, erklärt Silke Fett vom KAB Frankfurt. „Deshalb arbeiten wir immer parallel elektronisch und manuell.“ Die dokumentierten Informationen werden mit den Suchanfragen abgeglichen, Einsatzkräfte und Angehörige erhalten Auskunft.

Auch wenn es bisher in Hessen keinen Katastrophenfall gab, bleibe die Arbeit der Büros nicht theoretisch, berichtet Fett. Denn bei Großveranstaltungen wie dem Ironman oder dem Frankfurtmarathon sei das KAB involviert. Das Büro erfasse dort nach dem gleichen System Verletzte, die in Sanitätszelten behandelt werden. Die Ankunft großer Zahlen von Flüchtlingen war ein Fall für das KAB Offenbach.

Ein Ziel der Gemeinschaftsübung am Samstag war für KAB-Leiterin Dagmar Kremer auch die Öffentlichkeitsarbeit. Sie will die wichtige Arbeit ihrer Mitarbeiter bekannter machen – unter den anderen Rettungsdiensten ebenso wie unter Laien. Denn im Ernstfall sei es gut zu wissen, wo welche Ansprechpartner zu finden und welches ihre Aufgaben seien.

Hand in Hand

Deshalb stellt sich Kremer auch im Rahmen von Zugführerausbildungen vor und erklärt dort die Arbeit der KABs. „So ist ein wichtiger Prozess angestoßen worden. Denn wir sind ein Teilchen des Einsatzdienstes“, sagt sie. Auch mit der Notfallseelsorge strebt sie eine engere Verzahnung an. Denn die Hilfe beider Einheiten laufe idealerweise Hand in Hand: Während die Notfallseelsorger die psychologische Betreuung übernehmen, erledige das KAB die administrativen Aufgaben.

Auch Daniel Stenger, Leiter des Gesundheitsamts Limburg-Weilburg, interessierte sich am Samstag für die Abläufe. „Wir wollen das Kreisauskunftsbüro künftiger stärker in unser Alarmierungssystem einbinden“, sagte er. Dies könne auch bereits bei Großschadenslagen unter 500 Beteiligten sinnvoll bei, sagte Stenger. Als Beispiele nannte er den Fall an der Runkeler Schule, wo kürzlich großflächig Pfefferspray versprüht worden war. „Auch in so einem Fall wäre die Zusammenarbeit mit dem Kreisauskunftsbüro eine Bereicherung.“

Keine Auskunft für die „nervige Journalistin“

Reporterin Heike Lachnit bekam bei der Übung des Kreisauskunftsbüros (KAB) gleich eine Aufgabe zugedacht. Ob sie Lust habe, die „nervige Journalistin“ zu spielen und so ihre Mitarbeiter zu testen?, fragte KAB-Leiterin Dagmar Kremer. „lh“ hatte Lust und fragte die Mitarbeiter nach Details zum Unfall-Szenario aus. „Wie viele Menschen werden vermisst? Wie viele wurden verletzt? Gibt es Tote?“, wollte sie wissen. Die Ehrenamtlichen reagierten streng nach Vorschrift. Die lautet nämlich, dass Mitarbeiter des KAB ausschließlich Betroffenen und Einsatzleitern Auskünfte geben dürfen. Journalisten müssten sich an die Pressestelle wenden, sagten sie – zur vollsten Zufriedenheit ihrer Chefin Dagmar Kremer. lh

Hinweis: Verwendung der Artikel der Nassauischen Neuen Presse mit freundlicher Genehmigung der Frankfurter Societäts-Druckerei.

 


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