HADAMAR-NIEDERZEUZHEIM. Vor einem Jahr befand sich die Stadt Hadamar im Ausnahmezustand. Beim Gasumfüllbetrieb Tyczka im Stadtteil Niederzeuzheim waren bei Wartungsarbeiten rund 170 Tonnen Propangas aus einem 400 Kubikmeter fassenden Tank ausgetreten ...

Für Bürgermeister Ruoff sind nach einem Jahr alle Fragen beantwortet / Die Stadt lädt zu einem „Helferfest“ ein

Von Anken Bohnhorst

Sämtliche Versuche, den Schaden zu beheben, scheiterten. Um das Risiko für die Bürger zu reduzieren, wurden ein 300 Meter breiter Sicherheitsradius um das Firmengelände gezogen und Teile des Orts geräumt. Rund 700 Anwohner mussten für mehrere Tage ihre Häuser verlassen. Dennoch explodierte ein Wohnhaus in unmittelbarer Nähe des Betriebsgrundstücks, und die Frage wurde laut: Hat die Stadt das Gas in diesem Bereich zu spät abgestellt? Bürgermeister Michael Ruoff (CDU) bezieht auf Nachfrage dieser Zeitung Stellung. Er sagt: „Die Frage ist mit einem klaren Nein zu beantworten. Denn nicht rechtzeitig abgestelltes Gas war jedenfalls für die Explosion nicht verantwortlich.“

Das Propangas sei auf dem Areal der Tyczka Energy GmbH aus einer oberirdisch liegenden Armatur eines nicht freistehenden Tanks ausgeströmt. „Eine Gaszufuhr zum Unfallgelände konnte daher gar nicht abgestellt werden. Sie war nach Kenntnis der Stadt Hadamar auch nicht ursächlich für eine Explosion auf dem etwa 150 bis 200 Meter entfernt liegenden Wohngebäude Brückenmühle 3“, teilt der Bürgermeister mit. Der Eigentümer der Immobilie war während des Unfalls in seinem Haus, konnte aber gerettet werden. Angeblich habe der Mann im Obergeschoss seines Anwesens geschlafen und nicht mitbekommen, dass die Umgebung des Tyczka-Geländes verlassen werden musste, heißt es aus seinem Umfeld. Dass er die Explosion herbeigeführt haben soll, gilt als ausgeschlossen.

Tatsächlich wäre die Explosion auch ohne die Anwesenheit des Mannes passiert, geht aus Informationen hervor, die dem Hessischen Rundfunk vorliegen. Danach könnte Propangas durch alte Rohrleitungen vom Firmengelände in den Keller des Hauses gelangt sein. Möglicherweise hätten eine Gastherme oder ein elektrischer Schaltfunken zur Explosion geführt. Diese Informationen legen jedoch eine weitere Erkenntnis offen: „Die Explosion hätte verhindert werden können, wenn die Stromversorgung des Wohnhauses beziehungsweise des Evakuierungsbereichs zeitnah zu Beginn der Evakuierung abgeschaltet worden wäre“, zitiert der Hessische Rundfunk ein Gutachten. Danach sei der Strom erst Stunden nach der Explosion abgestellt worden.

Bürgermeister Ruoff schildert den Ablauf so: „Direkt parallel mit dem Eintreffen der Feuerwehr ordnete die Einsatzleitung rein vorsorglich eine Evakuierung der Bevölkerung in einem Umkreis von 300 Meter an.“ Sowohl auf dem Betriebsgelände als auch in der Sperrzone hätten die Einsatzkräfte „in regelmäßigen zeitlichen Abständen Gasmessungen an mehreren festen Punkten durchgeführt“. Somit habe die Einsatzleitung kontinuierlich kontrolliert, „ob eine Propangaskonzentration außerhalb des unmittelbaren Gefahrenbereichs rund um das Leck des Gastanks in dem 300-Meter-Radius auftrat“. Aus diesen regelmäßigen Messungen seien jedoch „bis zur Detonation am 27. Februar um 0.05 Uhr keine Gaskonzentrationen für ausgetretenes Propangas“ erkennbar gewesen. Ruoffs Fazit lautet daher: „Aus alledem ergibt sich, dass sich die Frage des Abstellens einer Gaszufuhr in Bezug auf eine Explosion des Wohnhauses Brückenmühle 3 in Niederzeuzheim von vornherein gar nicht stellen musste.“

Das ist die vorläufige Bilanz ein Jahr nach dem Gasunfall in Niederzeuzheim, dessen Ursache aus Sicht des Regierungspräsidiums Gießen „eine Verkettung unglücklicher Umstände“ war: Die Gasumfüllfirma Tyczka hat ihr Sicherheitskonzept überarbeitet und optimiert und den Betrieb wieder aufgenommen. Die Trümmer des völlig zerstörten Wohnhauses sind beseitigt, die Anwohner haben in ihren Alltag zurückgefunden. Was bleibt, sei eine große Dankbarkeit für die schnelle Hilfe, die sein Ort erfahren habe, sagt Ortsvorsteher Ewald Schlitt (parteilos). Gemeinsam mit einigen Bürgern hat er Plakate drucken lassen, um die Wertschätzung der Niederzeuzheimer für alle Helfer und Einsatzkräfte zu zeigen. Auch die Stadt bedankt sich für die Unterstützung und lädt für Freitag, 7. März, zu einem „Helferfest“ in die Stadthalle ein.

© Thomas Frey/dpaBild: © Thomas Frey/dpa

Hinweis: Verwendung der Artikel mit freundlicher Genehmigung der Nassauischen Neuen Presse.

 

 


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