WEILBURG. Im gesamten Stadtgebiet von Weilburg wird seit Dienstagmittag der sechsjährige Pawlos Dawit Gerezgiher Guesh gesucht ...
Sechsjähriger mit autistischen Zügen seit Dienstagmittag verschwunden / Polizei geht nicht von Verbrechen aus
Von Henning Schenckenberg, Sabine Rauch, Emily Davies, Corinna Teves und Mika Beuster
Der aus Waldbrunn stammende autistisch veranlagte Junge hatte am Dienstag gegen 12.30 Uhr aus einem „plötzlichen Impuls“ die Walderbachschule in Weilburg verlassen und ist seitdem unauffindbar.
Bereits in der Nacht auf Mittwoch waren die Einsatzkräfte rund um die Uhr im Einsatz, wie der Polizei-Führungsdienst mitteilte. Trotz intensiver Suche blieb der Junge bislang verschwunden. Die Polizei erklärte, dass über Lautsprecherwagen eine Sprachnachricht der Mutter abgespielt wurde, während diese durch die Stadt fuhren.
Rund 400 Einsatzkräfte an der Suche beteiligt
Auch am Mittwoch wurde die Suche fortgesetzt. Daran beteiligt waren rund 400 Einsatzkräfte. Es wurden nicht nur die Umgebung, sondern auch öffentliche Gebäude sowie Keller- und Dachgeschosse in Weilburg durchsucht. In beinahe jeder Straße Weilburgs waren am Mittwoch Einsatzkräfte anzutreffen. Wie am Vortag setzten sie bei der Suche auf den Polizeihubschrauber, Rettungshunde sowie die Wasserschutzpolizei. Zusätzlich waren die Technischen Hilfswerke aus Marburg, Gießen, Limburg, Weilburg und Dillenburg vor Ort. Auch die Reiterstaffel und die Hundestaffel der Polizei wurden am Mittwoch hinzugezogen.
Auf einer Pressekonferenz am Mittwochnachmittag sagte Bürgermeister Johannes Hanisch, dass es nach wie vor keine konkreten Hinweise auf den Verbleib des Jungen gäbe. Die Suche werde fortgesetzt, die Anzahl der Einsatzkräfte auf rund 450 aufgestockt und auch der Radius würde erweitert, etwa in Richtung der Stadtteile Kubach und Ahausen. Zudem seien 33 Suchhunde im Einsatz.
Spur verliert sich am Weilburger Bahnhof
Dennoch sei „nicht auszuschließen“, dass der Sechsjährige die Stadt verlassen habe. Nachdem der Junge am Dienstagmittag den Unterricht in seiner Schule verlassen habe, sei er noch einmal auf der Limburger Straße gesehen worden. In der Folge habe ein Suchhund seine Spur am Weilburger Bahnhof gewittert. Danach sei die Spur abgebrochen. Johannes Hanisch betonte, dass die Schule rund um die Uhr geöffnet bleibe, falls der Junge dorthin zurückkehre. Polizeisprecher Carsten Werner sagte, dass die Polizei das rund um den Bahnhof aufgenommene Videomaterial auswerte.
Zudem wurden an vielen Stellen Weilburgs bunte Luftballons aufgehängt – in der Hoffnung, dass der Sechsjährige darauf reagiere, sofern er sie wahrnehme.
Eigentlich hätte es Pawlos gar nicht gelingen dürfen, das Schulgelände zu verlassen. Aber es ist ihm gelungen. Wie das passieren konnte, müsse noch geklärt werden, sagt Dirk Fredl, der Sprecher des Staatlichen Schulamts für den Bezirk Limburg-Weilburg. „Aber erst einmal hat die Suche nach dem Jungen Priorität“. Er könne aber schon sagen, dass die Lehrkräfte sich sofort auf die Suche nach dem Sechsjährigen gemacht hätten und als die Suche erfolglos blieb, sofort die Eltern und die Polizei benachrichtigt hätten.
Schulamt schickt Schulpsychologen
Und auch die Polizei habe sehr schnell reagiert. Ganz schnell sei ganz Weilburg auf der Suche nach dem Jungen gewesen, auch die Mitarbeiter des Schulamtes und die anderen Schulen hätten sich beteiligt. Außerdem habe das Schulamt vier Schulpsychologen an die Walderbachschule geschickt, um den anderen Kinder und den Lehrkräften Beistand zu leisten. Und natürlich den Eltern des Jungen.
„Wir gehen davon aus, dass wir ihn lebend finden“, hat Carsten Werner, Pressesprecher des Polizeipräsidiums Westhessen, bei einer Pressekonferenz am Mittwochmorgen im Feuerwehrstützpunkt im Weilburger Stadtteil Waldhausen Optimismus versprüht, den sechsjährigen Pawlos unversehrt zu finden. Werner, der ein Verbrechen „praktisch ausschließt, weil es dafür keine Anhaltspunkte gibt“, stellte klar, „dass wir so lange suchen, wie es nötig ist“.
Appell, Jungen nicht auf eigene Faust zu suchen
Der Pressesprecher teilte zudem mit, dass der Vermisstenfall des Jungen, zur bundesweiten Fahndung ausgeschrieben ist, da nicht ausgeschlossen werden könne, dass sich der Sechsjährige in einen Zug gesetzt hat. Die andere Möglichkeit sei, dass er sich im Stadtgebiet versteckt hat. Carsten Werner appellierte an die Bevölkerung, wachsam zu sein, aber nicht auf eigene Faust auf die Suche zu gehen.
Wer Hinweise zum Aufenthaltsort des Sechsjährigen geben kann, wird gebeten, die Kriminalpolizei in Limburg unter der Telefonnummer 06431-9140599 zu informieren. Hinweise nimmt auch jede andere Polizeistation entgegen.
Pawlos hat dunkle Haare und dunkle Haut, ist mit einem gestreiften Pullover und einer grauen Jeans bekleidet und offenbar nur in Hausschuhen unterwegs. Er soll „nicht altersgemäß“ entwickelt sein und höchstens ein paar Brocken Deutsch sprechen. Der Erstklässler habe Interesse an Wasser und am Klettern, sei aber wohl in einer hilflosen Lage, so Bürgermeister Johannes Hanisch.
Die Suche dauerte nach Redaktionsschluss noch an.
Bild: Seit Dienstag wird ein autistisches Kind in Weilburg gesucht. Mit bunten Luftballons will man den sechsjährigen Jungen ansprechen, sie werden etwa auf der Steinernen Brücke über der Lahn aufgehängt, um einen farblichen, kindlichen Impuls zu setzen. © Uwe Röndigs
Bild: Pawlos
Hinweis: Verwendung der Artikel mit freundlicher Genehmigung der Nassauischen Neuen Presse.