MENGERSKIRCHEN. Stromausfall – ein Szenario, das man nicht unbedingt erleben möchte, das aber jederzeit eintreten kann. So wie in Berlin, wo die Stromversorgung tagelang unterbrochen war und Tausende Haushalte bei Minustemperaturen ohne Strom ausharren mussten ...
Wie Mengerskirchen auf einen längeren Stromausfall vorbereitet ist / Gemeindebrandinspektor gibt Einblicke
Von Dorothee Henche
Glück im Unglück hatten 2880 Bewohner in Aumenau, Falkenbach, Langhecke und Seelbach sowie Weinbach, Freienfels, Fürfurt und Wolfenhausen, bei denen an Heiligabend um die Mittagszeit wegen eines umgestürzten Baums der Strom ausgefallen, der Schaden jedoch nach knapp einer Stunde wieder behoben war. Wie ist die Gemeinde Mengerskirchen auf ein solches Szenario vorbereitet? Welche Aufgaben übernehmen die Feuerwehren? Gemeindebrandinspektor Christoph Eule und sein Stellvertreter Lars Weber haben den Mitgliedern des Haupt- und Finanzausschusses in der Dezember-Sitzung vorgestellt, wie die Zusammenarbeit von Verwaltung und technischer Einsatzleitung organisiert ist.
Um bei Stromausfall, aber beispielsweise auch in einem möglichen Katastrophenfall wie bei einem Brand oder einer Extremwettersituation entsprechend handeln zu können, haben die Feuerwehr und die Gemeindeverwaltung entsprechende Vorbereitungen getroffen. „Die Aufgabenverteilung ist klar geregelt“, erklärt Christoph Eule. Die Gesamtverantwortung haben der Bürgermeister beziehungsweise der Erste Beigeordnete. Der Verwaltungsstab ist für die administrativen und organisatorischen Aufgaben zuständig, die vielfältig sind. Dazu gehört unter anderem, die Lage zu dokumentieren, die Bevölkerung zu informieren oder den Medien Auskunft zu geben. Der Verwaltungsstab besteht aus dem Gemeindevorstand und Mitarbeitern der Verwaltung. Hinzu kommen externe Mitglieder wie die Polizei und je nach Ereignis auch andere Ämter und Behörden wie zum Beispiel der Forst oder fachkundige Dritte. Ganz wichtig seien Namen und Kontaktdaten, um im Falle eines Schadensereignisses die Personen möglichst rasch kontaktieren zu können. Die Personalliste müsse daher stets aktuell gehalten werden, betont der Gemeindebrandinspektor, der gemeinsam mit den Feuerwehren die technische Einsatzleitung übernimmt.
Dauer des Ereignisses spielt eine wichtige Rolle
Auch im operativ-taktischen Bereich ist die Aufgabenverteilung klar geregelt. „Wir unterscheiden zwischen Punktlage und Flächenlage“, erläutert der Gemeindebrandinspektor. Eine Punktlage findet man an einem konkreten Ort vor, zum Beispiel bei einem Wohnhausbrand, von einer Flächenlage spricht man beispielsweise bei der Suche nach einer vermissten Person. Auch ein Stromausfall wäre eine Flächenlage. Die mögliche Dauer spielt für die Einstufung des Ereignisses eine entscheidende Rolle. Liegt der betroffene Zeitraum unter 60 Minuten, handelt es sich um tägliche Gefahrenabwehr. Bei mehr als einer Stunde spricht man von einem Großschadensereignis, ab einer Dauer von mehr als vier Stunden wird das Ereignis als Katastrophe bezeichnet, dann ist der Landkreis als Behörde mit involviert. Außerdem werden in allen Ortsteilen die Feuerwehrhäuser besetzt. Eine „örtliche Einsatzleitung“ der Kommune übernimmt die Arbeiten und koordiniert die einzelnen Einsätze in den Ortschaften, um die Leitstelle des Landkreises zu entlasten.
Wenn ein Ort länger als vier Stunden keinen Strom habe, könne sich eine Eigendynamik entwickeln, betont der Gemeindebrandinspektor. Die Mitglieder des Verwaltungsstabs müssten dann versuchen, diese entsprechend zu lenken. Dabei sollte planvoll vorgegangen und in einem ersten Schritt die eigene Lage geklärt werden. Ist die Handlungsfähigkeit des Verwaltungsstabs gesichert? Erst dann können die Aufgaben wie Führung, Kommunikation, Einsatz oder Logistik geplant und Aufträge erteilt werden. Bei der Umsetzung vonseiten des Verwaltungsstabs ist das Augenmerk auf die kritische Infrastruktur gerichtet. Wie ist es um die Versorgung bestellt? Woher bekomme ich etwa Trinkwasser, aber auch für den Brandschutz? Ist die Kapazität der Generatoren für diese Aufgaben ausreichend? Wie viel Sprit wird benötigt? Im Schloss Mengerskirchen würden für einen solchen Fall bis zu 50 Betreuungsplätze eingerichtet, an denen die Menschen informiert und psychologisch betreut werden können. Es sei nötig, aber gleichzeitig auch eine große Herausforderung, sich auf eine solche Krisensituation einzustellen, ergänzt Bürgermeister Daniel Melchert (SPD).
Auch praktische Erfahrungen sind wichtig
Neben der theoretischen Vorbereitung auf ein Großschadensereignis oder eine mögliche Katastrophe sind für alle Beteiligten auch praktische Erfahrungen wichtig. Bei einer Großübung auf dem Gelände der Firma Beck und Heun in Waldernbach vor wenigen Monaten sei das Hauptaugenmerk auf den Brand- und Katastrophenschutz gerichtet gewesen, berichtet Christoph Eule.
Der Gemeindebrandinspektor wies abschließend darauf hin, dass jeder einzelne Bürger sich auf mögliche Krisen und Katastrophen vorbereiten könne, um Extremsituationen wie beispielsweise einen längeren Stromausfall zu meistern. Eine Broschüre auf der Homepage des Bundesamtes für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe liefert entsprechende Informationen.
Bild: Bürgermeister Daniel Melchert (links) und Gemeindebrandinspektor Christoph Eule informieren, wie die Gemeinde Mengerskirchen im Brand- und Katastrophenschutz aufgestellt ist. Foto: Dorothee Henche
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