RUNKEL. Wie gut ist Runkel auf den Ernstfall vorbereitet? Anfragen an den Magistrat haben die jüngste Sitzung der Stadtverordnetenversammlung im Runkeler Rathaus dominiert ...
Die Stadt Runkel untersucht ihre Notfallpläne und deckt Lücken auf / Sicherheit soll verbessert werden
Von Hannah Rösen
Bürgermeisterin Antje Hachmann (parteilos) nahm dabei ausführlich Stellung zu Themen wie Stromausfällen und Notfallkonzepten in den Stadtteilen. Hintergrund war eine Anfrage der SPD-Fraktion, die das Krisenmanagement sowie die Vorsorge in den Stadtteilen in den Fokus rückte.
Fraktionsvorsitzender Lothar Hautzel begründete seinen Antrag vor dem Hintergrund der jüngsten Stromausfälle in Deutschland und der Region, die gezeigt hätten, dass länger andauernde Strom- und Infrastrukturausfälle „realistisch“ seien. Daher müsse geprüft werden, wie eine verlässliche Krisenvorsorge im Falle der „historisch gewachsenen Kommune“ samt ihren neun unterschiedlich strukturierten Stadtteilen gewährleistet werden kann. Für die Beantwortung der Fragen von der Gesamtstrategie und der Stadtteilperspektive über die Versorgung und Anlaufstellen bis hin zur Kommunikation und Erreichbarkeit hatte Hachmann einige Antworten von Moritz Dreiling, dem Zweiten Stellvertretenden Stadtbrandinspektor, sowie dem Ordnungsamt eingeholt.
Einsatzplan „Stromausfall“ ist derzeit in Arbeit
Zur Vorbereitung auf größere Krisenlagen, insbesondere längere Stromausfälle, teilte Dreiling im Namen der Feuerwehr mit, dass derzeit ein spezieller Einsatzplan „Stromausfall“ erarbeitet werde. Ziel sei es, die Einsatzfähigkeit der Feuerwehr zu sichern und den Bürgern Anlaufstellen für Notrufe und zum Hilfeersuchen zu bieten. Als sogenannte „Leuchttürme“ seien hierfür die Feuerwehrhäuser in den betroffenen Stadtteilen vorgesehen. Aufgrund zusammengelegter Wehren sei dies jedoch nicht flächendeckend möglich. Im Falle eines länger andauernden „Blackouts“ könnten aktuell lediglich drei von sieben Feuerwehrhäusern mit Notstrom versorgt werden. In öffentlichen Gebäuden wie den Bürgerhäusern stünden derzeit in solchen Fall weder Strom noch Wärme zur Verfügung.
Zur Information der Bevölkerung sei eine mobile Warnsirene angeschafft worden. „Diese kann auf jedem beliebigen Pkw in kurzer Zeit montiert werden. Über diese Warnanlage können auch Lautsprecherdurchsagen getätigt werden“, sagte Dreiling. Zudem könnten mit einigen Einsatzfahrzeugen Lautsprecherdurchsagen getätigt werden.
In der Gesamtbewertung, einem „Fazit aus Sicht der nichtpolizeilichen Gefahrenabwehr“, machte der Zweite Stellvertretende Stadtbrandinspektor deutlich, dass Runkel derzeit nur „unzureichend auf großflächige Krisenlagen vorbereitet ist“. Notwendige Verbesserungen würden seit Jahren durch fehlende oder gestrichene Haushaltsmittel erschwert, etwa beim Bau einer Katastrophenschutz-Halle, die für die Lagerung wichtiger Materialien und Notstromaggregate dringend benötigt werde. Trotz der bestehenden Defizite zeigte sich die Feuerwehr zuversichtlich, gemeinsam mit den städtischen Gremien in Zukunft tragfähige Lösungen entwickeln zu können.
Ein Verwaltungsstab wird aufgebaut
In seiner Stellungnahme zur Anfrage der SPD-Fraktion verwies das städtische Ordnungsamt darauf, dass nahezu alle Bereiche des täglichen Lebens von einer funktionierenden Stromversorgung abhingen. Für den Brand- und Katastrophenschutz bestehe eine klare Zuständigkeitskette von Bund und Land über den Kreis bis hin zur Kommune. „Die Aufrechterhaltung der öffentlichen Sicherheit und Ordnung obliegt neben den örtlichen Ordnungsbehörden insbesondere auch den örtlich zuständigen Polizeibehörden“, so das Ordnungsamt. In Runkel würden im Ernstfall die Bürgermeisterin und der Stadtbrandinspektor die „örtliche Sonderlage“ leiten, bei einem offiziell ausgerufenen Katastrophenfall unterstehe die Stadt dem Landkreis Limburg-Weilburg.
Zur Bewältigung einer Mangellage baue die Stadt Runkel derzeit einen Verwaltungsstab auf, der bei Sonder- oder Großlagen durch Fachberater ergänzt werden soll. Technische Redundanzen, insbesondere bei den Kommunikationsmitteln, seien bislang nicht vorhanden, jedoch für den Haushalt 2026 angemeldet, so das Ordnungsamt. Die Information der Bürger solle zusätzlich zu den Lautsprecherdurchsagen durch soziale Medien erfolgen, bei einer größeren Lage ebenfalls mittels Radiodurchsagen. Sollte von der Mangellage ausschließlich Runkel betroffen sein, würde der Kreis unterstützend in personeller und materieller Hinsicht tätig werden. Insgesamt bestehe dringender Bedarf, Ausrüstung und Ausfallsicherungen auszubauen – dies sei kostenintensiv, aber im Haushalt angemeldet und erfordere weitere Planung.
Bild: Die Feuerwehrgerätehäuser in den Stadtteilen wie hier in Ennerich sollen bei größeren Krisen in Runkel wichtige Aufgaben übernehmen. Foto: Christiane Müller-Lang
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