BAD CAMBERG. Es gilt als Leuchtturmprojekt in Hessen: Bad Camberg, Hünfelden, Brechen, Selters und Weilrod werden in Bad Camberg im gemeinsamen Feuerwehr-Dienstleistungszentrum Goldener Grund/Taunus Kräfte bündeln ...
Feuerwehr-Dienstleistungszentrum für Bad Camberg, Brechen, Hünfelden, Selters und Weilrod geht in Betrieb
Von Petra Hackert
Jetzt geht es in Betrieb. Damit unterstützen sich fünf Kommunen mit 33 Feuerwehren und rund 1000 Einsatzkräften gegenseitig.
Holger Sorg ist seit 1992 Gerätewart bei der Feuerwehr Weilrod. Ehrenamtlich, seit 34 Jahren. Aufgaben haben sich in dieser Zeit geändert, Herausforderungen sind hinzugekommen – und Ansprüche. Beispiel: In Sankt Augustin sind im Juni 2023 zwei Feuerwehrleute bei einem Brandeinsatz in einem Motorradgeschäft tödlich verunglückt. Grund war ein geplatzter C-Schlauch. Der Unfallbericht umfasst 143 Seiten. Die Ermittlungen haben Monate gedauert. Das Ergebnis hat die Unfallkasse Nordrhein-Westfalen vergangenes Jahr veröffentlicht. Alles war dokumentiert, das Schlauchreinigen, die anschließende Überprüfung. Dennoch kann es zu solch tragischen Ereignissen kommen.
Die Dokumentationspflicht liegt künftig beim Dienstleistungszentrum. „Ich bin froh, dass das so ist“, sagt Gerätewart Sorg. Durch neue Aufgaben – von Einsätzen auf der A 3 bis auf die ICE-Strecke – sind Anforderungen auf Ehrenamtliche hinzugekommen, die neben dem Risiko für Leib und Leben hohe Regressansprüche in sich bergen. Mit Blick auf Hygiene und Sicherheit stellt der Feuerwehrmann fest: „Das ist von Ehrenamtlichen nicht mehr zu leisten.“
Moderne und gute Rahmenbedingungen
Darum geht es beim Dienstleistungszentrum. Die Kommunen haben eine gemeinsame Betreibergesellschaft gegründet. Geschäftsführer ist Frank Groos. Der parteilose Brechener Bürgermeister stellt fest: „Brandschutz ist eine originäre Aufgabe der Kommunen.“ Seine Hünfeldener Kollegin Silvia Scheu-Menzer (parteilos), Sprecherin der Bürgermeister im Kreis Limburg-Weilburg, ergänzt: „Hier gehen wir einen guten Weg. Die Alternative wäre irgendwann eine Berufsfeuerwehr.“
Von der Reinigung von Einsatzmaterial bis hin zu Organisatorischem/Versicherungstechnischem übernimmt das Zentrum Aufgaben, die ehrenamtliche Einsatzkräfte entlasten. Für rund sechs Millionen Euro hat die Bad Camberger Investorenfamilie Hölper den Gebäudekomplex in der Bad Camberger Liebigstraße errichtet. In die Ausstattung haben die fünf Kommunen 1,2 Millionen Euro investiert. Das Land Hessen bezuschusst das Projekt mit 200.000 Euro.
Das dreiteilige Bauwerk besteht aus dem zweigeschossigen Verwaltungs- und Sozialgebäude, dem Werkstattgebäude sowie der Halle mit Hochregallager, Fahrzeug- und Waschhalle. Drei Hauptamtliche, der technische Betriebsleiter Sven Hahn sowie die beiden Gerätewarte Kai Matern und Mario Urban, sind zur Stelle.
Moderne Lüftung, energiesparende Wärmerückgewinnung, Heizung und Kühlung durch Luft-Wasserwärmepumpen in Verbindung mit einer Fußbodenheizung, Reduzierung des Strombedarfs auf ein Minimum durch den Einbau einer Photovoltaik-Anlage, ein Aufzug zur barrierefreien Erschließung aller Geschossebenen: Architekt Oliver Hamm beschreibt Details der Anlage mit einer Nutzfläche von rund 1400 Quadratmetern und 7300 Kubikmetern Gebäudevolumen. Sein Dank gilt der Investorenfamilie Nicole, Mathias, Luna und Maximilian Hölper. Luna Höler gibt ihn zurück: Die Arbeit mit Kommunen und Feuerwehren lief reibungslos.
Vorher gab es auch Kritik: Das Dienstleistungszentrum wird die Kommunen künftig Geld kosten. Die Summen sind unterschiedlich, denn Leistungen werden einzeln abgerechnet und bei Brechen mit drei Ortsteilen anders ausfallen als bei Weilrod mit 13. 230.000 Euro sind im Haushalt der Stadt Bad Camberg im kommenden Jahr veranschlagt. Nach Jahresfrist wird sich zeigen, wie es im Detail unterm Strich für alle aussieht.
„Die Aufgaben sind für alle 19 Kommunen im Kreis Limburg-Weilburg sehr komplex geworden“, sagt DLZ-Geschäftsführer Frank Groos. Dennoch zeichnete sich im Vorfeld ab, dass ein Zentrum für alle nichts würde. „So haben wir uns auf die bestehende interkommunale Zusammenarbeit im Südkreis konzentriert.“ Weilrod aus dem benachbarten Hochtaunuskreis ist auch bei der gemeinsamen Energieregion mit im Boot – so gibt es Vorerfahrungen. Je nach Auslastung könnte es sein, dass die Zahl der Nutzer steigt. Hünstetten habe sich bereits informiert. Die gemeinsame Betreibergesellschaft der fünf Kommunen ist in Hessen bisher einmalig.
„Der heutige Tag kennt nur Gewinner“, wertet Innenminister Roman Poseck (CDU) bei der Einweihung. „Ein Vorbild für unser Bundesland, das seinesgleichen sucht und ein starkes Zeichen für unsere Feuerwehren.“ Die Landtagsabgeordneten Andreas Hofmeister, Christian Wendel (beide CDU), Tobias Eckert (SPD), Marion Schardt-Sauer (FDP), und der Bundestagsabgeordnete Martin Rabanus (SPD) pflichten bei. Trotz angespannter kommunaler Haushaltslagen werde hier „ein Meilenstein für gute und moderne Rahmenbedingungen für unsere Feuerwehren“ gesetzt, sagt der Innenminister. Er lobt Weitsicht und Vernunft, über den Tellerrand hinauszuschauen. „Es gibt wohl keine Region in Hessen, in der ich so viele Förderbescheide für eine interkommunale Zusammenarbeit überreicht habe, wie im Kreis Limburg-Weilburg.“
Für die beteiligten Feuerwehren geht es um die Sicherheit – sei es im Einsatz oder bei versicherungstechnischen Fragen. Dies bei Zehntausenden Stunden jährlich im Ehrenamt.
Bild: Der hauptamtliche Gerätewart Mario Urban zeigt, wie die Schlauchreinigung funktioniert. Fotos: Petra Hackert
Bild: Helmut Thies warjahrzehntelang Stadtbrandinspektor in Bad Camberg. Bei der Einweihung des Feuerwehr-Dienstleistungszentrums legt er noch einmal Atemschutz an. Holger Sarg, seit 34 Jahren ehrenamtlicher Gerätewart bei der Feuerwehr Weilrod, hilft. Fotos: Petra Hackert
Bild: Architekt Oliver Hamm (vorne rechts) übergibt den symbolischen Schlüssel für das Feuerwehr-Dienstleistungszentrum an Bauherrin Luna Hölper. Von links mit im Bild sind der hessische Innenminister Roman Poseck (CDU), Bürgermeisterin Silvia Scheu-Menzer (Hünfelden, parteilos), Bürgermeister Frank Groos (Brechen, parteilos), Nicole, Maximilian und Mathias Hölper, Bürgermeister Götz Esser (Weilrod, FWG), Bürgermeister Daniel Rühl (Bad Camberg, CDU) und der Erste Beigeordnete der Gemeinde Selters Georg Herz (UWE). Fotos: Petra Hackert
Bild: Sven Hahn, technischer Betriebsleiter des Feuerwehr-Dienstleistungszentrums Goldener Grund/Taunus zeigt: In diesen Maschinen wird Einsatzkleidung gewaschen. Das funktioniert auch mit Helmen, die separat in einen solchen Beutel gesteckt werden. Fotos: Petra Hackert
Bild: In der Kammer links werden Helme gewaschen. Rechts ein Schutzanzug. Fotos: Petra Hackert
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